Infos von der Dekanatsjugend (Januar 2012)

Wir blicken auf einige Aktionen und Veranstaltungen der vergangenen Wochen zurück. So ließen sich  26 Jugendliche beim Gruppenleitergrundkurs in Grafenbuch ausbilden, um für die Arbeit in den Kirchengemeinden gerüstet zu sein.

Ebenfalls auf gute Resonanz stieß der Jugendgottesdienst mit anschließendem Brunch am schulfreien Buß- und Bettag in Eschenbach.

Eine Aktion der besonderen Art fand am Reformationstag im Hammerbachtal statt. Während manche Kinder in Halloweenstimmung Süßigkeiten einheimsten, klingelten Jugendliche der Evangelischen Jugendarbeit an den Haustüren und verteilten zum Erstaunen der Bewohner „Luther-Kekse“ und „Luther-Bonbons“. Abgeschlossen wurde die Aktion mit einem stimmungsvollen Jugendgottesdienst in Henfenfeld.

Ökumenisch feierten wir am 4. Advent in Reichenschwand eine Nacht der Lichter.

Auch im aktuellen Jahr sind wieder viele Aktionen für und mit Kindern und Jugendlichen geplant:

  • Vom 16. bis 18. März 2012 findet der Frühjahrskonvent in Grafenbuch zum Thema: „Religiöse Hintergründe in Musik und Film“ statt. Diese Medien nehmen wir genauer unter die Lupe bis dahin, dass wir selber einen Clip drehen.
  • In den Osterferien vom 31. März bis 6. April 2012 startet eine Musikfreizeit ins Elsaß und die Rhein-Neckar Metropolen für alle jungen Menschen ab 15 Jahren, die sich zutrauen, ein schnell einstudiertes Musikprogramm auf den Plätzen und Gassen interessanter Städte wie Straßburg, Heidelberg, Colmar oder Mannheim zum Besten zu geben.
  • Zudem sind wir gerade in den Planungen für einen Dekanatskindertag am 5. Mai 2012. Thematisch wollen wir „in 6 Stunden um die Welt“ reisen.
  • Vom 4. bis 9. Juni 2012 starten wir in die Pfingstfreizeit. Voraussichtlich wird sich dabei für die Teilnehmenden ab 13 Jahren alles um den Marionettenbau drehen. Innerhalb einer Woche baut jeder Teilnehmer seine ganz individuelle Puppe, wobei vom ersten Entwurf über das Holzgerippe und Kleidernähen bis hin zum Auffädeln alles in Eigenarbeit gefertigt wird.
  • Anfang August bieten wir in Kooperation mit dem TV Lauf auch wieder ein Basketballcamp an.
  • Des Weiteren finden in den Sommerferien Kinder- und Jugendfreizeiten statt.


Alle weiteren Informationen bitten wir direkt bei der Dekanatsjugend (Tel.: 09151-8 13 17, Nikolaus-Selnecker-Platz 6, www.dekanatsjugend-hersbruck.de) einzuholen. Dort gibt es auch unseren aktuellen Jahresplaner für Zuhause.

Wander- und Radwanderführer: Auslosung der Stempelkarten-Aktion

Bei der Stempelaktion zum neuen Wander- und Radführer zu den Kirchen im Dekanat Hersbruck reichten 60 Personen ihre gefüllten Stempelkarten ein. Dabei kamen die Teilnehmer bis aus Thüringen. Ende November 2011 fand die Verlosung der Preise im Kreis der Pfarrerinnen und Pfarrer des Dekanats statt. Es haben gewonnen:

  • Familiengutschein für einen ganztägigen Besuch der Fackelmann-Therme (gestiftet von der Fackelmann-Therme Hersbruck): Eliana Ochoa, Engelthal
  • Buch "Hersbrucker Alb" (Fa. PUK Pfeiffer&Krämmer, Hersbruck): Miriam und Christoph Weiß, Henfenfeld
  • Buch "Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Nürnbergs ab 1850" (Fa. PUK Pfeiffer&Krämmer, Hersbruck): Erna Steiger, Happurg
  • Broschüre "Der Hersbrucker Altar" (Dekanat Hersbruck): Martina Schatz, Henfenfeld
  • je eine CD Gospelchor Sound of Joy „light of mine“ (Selnecker-Kantorei, Hersbruck): Petra Audenrieth, Nürnberg; Brigitte Hoernes, Altdorf
  • Gutschein für 2 Personen für ein Konzert der Selnecker Kantorei im Jahr 2012 oder 2013 (Selnecker-Kantorei, Hersbruck): Kalb, Hersbruck
  • je ein Wanderführer Hersbrucker Schweiz (Tourist-Information Hersbruck): Robert Neumann, Altdorf; Anni Leykauf, Reichenschwand
  • Essensgutschein Gasthof Grüner Baum, Engelthal (Gasthof Grüner Baum, Engelthal): Erich Landsleitner, Nürnberg
  • je ein Essensgutschein Gaststätte "Zum Wirtshaus", Henfenfeld (Gaststätte Zum Wirtshaus", Henfenfeld): Günter Huber, Schnaittach; Heinz Oertel, Schwarzenberg/Erzgebirge
  • Essensgutschein Gaststätte "Zum Scharfen Eck", Alfeld (Gaststätte "Zum Scharfen Eck", Alfeld): Hildegard Albert, Schnaittach

Ganz herzlich gratulieren wir allen Gewinnern! Sie werden brieflich benachrichtigt. Für die Unterstützung bedanken wir uns bei allen genannten Stiftern!

Auf dem Photo: Initiator Pfr. Dr. Baumann mit Senior Helmut Gerster beim Ziehen der Gewinne im Kreise der Pfarrerinnen und Pfarrer des Dekanats Hersbruck.

 

Die Suchtberatung gibt es seit 25 Jahren

Näheres dazu hier unter "Diakonie"

Gedenkfeier in Schupf am Sa., 12.11.2011


Die jährliche Gedenkfeier am Mahnmal für die Opfer der KZ-Außenstelle Hersbruck in Schupf bei Happurg fand am Samstag, 12. November 2011 statt.

Nach eine Begrüßung durch Dr. Helmut Ritzer (1. Vizepräsident des Bayerischen Landtags a. D.) sprach heuer Karl Freller (MdL, stv. Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion und Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten). Mit einem Psalm und einem Gebet durch Pastor Patrick Stephan (Evangelisch-methodistische Kirche Hersbruck), Pfarrerin Ursula Butz-Will (Evangelisch-Lutherisches Pfarramt Happurg) und Pfarrer Roland Klein (Röm.-Katholisches Pfarramt Heldmannsberg-Pommelsbrunn) endete diese Feier.

Die Feierstunde erinnerte an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und knüpfte dabei an die Ereignisse des 9. November 1938 an. Das NS-Regime organisierte damals systematische Übergriffe gegen jüdische Mitbürger und deren Einrichtungen. Was seinerzeit mit brennenden Synagogen begann, endete mit den Vernichtungslagern, in denen 6 Millionen Menschen umgebracht wurden. Tausende kamen auch in der KZ-Außenstelle Hersbruck des Konzentrationslagers Flossenbürg ums Leben. Unsere Geschichte mahnt uns, niemals mehr Ausländerfeindlichkeit und Rassismus zu dulden. Die Unantastbarkeit der menschlichen Würde ist das oberste Gebot unseres Grundgesetzes. Die demokratischen Kräfte stehen zusammen,  wenn es darum geht, die Grundlagen unserer Verfassung zu schützen.


Hier der Presseartikel aus der Hersbrucker Zeitung vom 14.11.2011:


Beteiligt haben sich alle demokratischen Parteien im Landkreis, der Landkreis selbst, die Gemeinden, die Kirchen, die Gewerkschaften, die Verbände der Wirtschaft und viele gesellschaftlichen Organisationen:

Für den Landkreis und die Gemeinden:
Armin Kroder, Landrat
Helmut Brückner, 1. Bürgermeister Happurg
Robert Ilg, 1. Bürgermeister Hersbruck
Konrad Rupprecht, 1. Bürgermeister Feucht, Vorsitzender des Kreisverbandes des Bayerischen Gemeindetages

Für die Kirchen:
Dr. Werner Thiessen, Dekan, Evangelisch-lutherisches Dekanat Hersbruck 
Patrick Stephan, Evangelisch-methodistische Kirche Hersbruck
Ursula Butz-Will, Pfarrerin, Evangelisch-lutherisches Pfarramt Happurg
Roland Klein, Pfarrer, Katholisches Pfarramt Heldmannsberg-Pommelsbrunn
Wunnibald Forster, Pfarrer, Katholisches Pfarramt Hersbruck und Umgebung
Detlef Edelmann, Geschäftsführer, Diakonisches Werk Altdorf-Neumarkt-Hersbruck
Angela Henke, Vorsitzende des Caritasverbands im Landkreis Nürnberger Land

Für die Parteien:
Martina Baumann, SPD-Unterbezirksvorsitzende
Dr. Thomas Beyer, MdL, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion
Benedikt Bisping, 1. Bürgermeister Lauf, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag
Martin Burkert, MdB, Vorsitzender der Landesgruppe Bayern der SPD-Bundestagsfraktion
Manfred Dauphin, Sprecher der FDP im Kreistag
Hans-Joachim Dobbert, stv. Landrat
Norbert Dünkel, Vorsitzender der CSU-Kreistagsfraktion, Bezirksrat, Kreisvorsitzender der CSU
Kurt Eckstein, MdL
Dr. Ulrike Eyrich, Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag
Claus Fesel, Kreisvorsitzender BÜNDNIS 90/Die Grünen
Klaus Hähnlein, Vorsitzender der FW-Kreistagsfraktion
Katja Hessel, MdL , Staatssekretärin
Andreas Kögel, stv. Landrat
Joachim Lang, 1. Bürgermeister, Kreisvorsitzender der Freien Wähler
Fritz Körber, Bezirksrat
Marlene Mortler, MdB
Andreas Neuner, Kreisvorsitzender der FDP
Norbert Reh, stellvertretender Landrat
Marina Schuster MdB
Dr. Helmut Ritzer, I. Vizepräsident des Bayerischen Landtags a. D.

Für die Wirtschaft, die Gewerkschaften und örtliche Organisationen:
Dr. Gerhard Beuschel, Kreisvorsitzender der Europa-Union Nürnberger Land e. V.
Stephan Doll, DGB Vorsitzender, DGB-Region Mittelfranken
Friedrich Dörfler, FDP-Ortsbeauftragter in Hersbruck
Arnulf Elhardt, Ökumenischer Verein für Flüchtlinge, Asylsuchende und Migration
e. V.,  Hersbruck
Norbert Fackelmann, Geschäftsführer, Vorsitzender des Industrie- und
Handelsgremiums Hersbruck
Heinz Geyer, Vorsitzende des DGB Kreis Nürnberger Land
Thomas Geißdörfer, Vorsitzender des Industrie- und Handelsgremiums Lauf
Heidi Frobel, Kreisvorsitzende des Bund Naturschutzes Nürnberger Land
Peter Schön, Vorsitzender Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e. V.


Evangelischer Widerstand

Erste Online-Ausstellung über evangelische Christinnen und Christen, die im Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben

„Die Ausstellung ist inspirierend, weil sie eindrucksvolle Beispiele christlichen Widerstands zeigt und damit deutlich macht, wie das Eintreten für die Menschenwürde Teil eines gelingenden Lebens sein kann - auch dann, wenn es eigene Opfer fordert“ - so würdigte der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm die neue Online-Ausstellung „Widerstand!?“, deren Mitherausgeber die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) ist.

Die Ausstellung ist ab heute unter  www.evangelischer-widerstand.de online. Sie dokumentiert erstmals im Netz auf Grundlage des aktuellen Forschungsstandes die Geschichte evangelischer Christinnen und Christen, die im Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben.

26 renommierte Wissenschaftler haben nach jahrelanger intensiver Recherche insgesamt 584 historische Dokumente in Form von Texten, Fotos, Audios und Videos zusammengestellt, die den christlichen Widerstand im Nationalsozialismus in all seinen Konturen und Ambivalenzen anschaulich werden lassen.

Die Online-Ausstellung „Widerstand!?“ gliedert sich in vier Bereiche:

  • Der Ausstellungsbereich „Zeiten“ beleuchtet die Vor- und Rezeptionsgeschichte des Widerstands sowie die vier Phasen zwischen 1933 und 1945, in denen einzelne Christinnen und Christen auf vielfache Weise ihren Widerstand zum Ausdruck gebracht haben.
  • Der Ausstellungsbereich „Regionen“ untermauert die regional-lokale Verankerung einzelner Aktivitäten christlichen Widerstandes.
  • Der Ausstellungsbereich „Menschen“ dokumentiert die Biografien einzelner Personen des Widerstands.
  • Der Ausstellungsbereich „Grundfragen“ gibt Anstöße, um über die Bedeutung des christlichen Glaubens für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus nachzudenken.

Die Online-Ausstellung „Widerstand!?“ ist eine Gemeinschaftsproduktion der bayerischen Landeskirche, der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Körber Stiftung Hamburg. Inhaltliche Gesamtveranwortung für das Projekt trägt Claudia Lepp, Leiterin der Forschungsstelle für Kirchliche Zeitgeschichte in München, Professor Dr. Harry Oelke, Ludwig-Maximilians-Universität München, Evangelisch Theologische Fakultät/Abteilung für Kirchengeschichte und Professor Dr. Siegfried Hermle, Universität Köln/Institut für Evangelische Theologie (Kirchengeschichte). Die technische Umsetzung der Online-Ausstellung übernahm „Kerygma“, Agentur für Webdesign und Medienarbeit mit Sitz in Köln.

Landesbischof Bedford-Strohm eingeführt

Am Sonntag, 30. Oktober 2011, wurde Prof. Dr. Bedford-Strohm als Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern eingeführt. Hier ist seine Predigt zu lesen, die er in diesem Gottesdienst gehalten hat ...


Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm wurde 1960 in Memmingen geboren. Aufgewachsen ist er in einem evangelischen Pfarrhaus. Theologie hat er in Erlangen, Heidelberg und Berkeley/USA Theologie studiert. Er war Assistent am Lehrstuhl Systematische Theologie und Sozialethik an der Universität Heidelberg, war Vikar in Heddesheim (Baden) und Pfarrer in Coburg. Seit 2004 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen an der Universität Bamberg.

Aus einem epd-Gespräch kurz vor seiner Wahl zum Landesbischof:

Wie ist Ihre ganz persönliche Stimmungslage kurz vor der Wahl?

Bedford-Strohm: An sich freue ich mich auf diesen Tag, weil damit die Konzentration auf dieses Ereignis zum Abschluss kommt. Ich bin froh, wenn ich mich dann innerlich wieder mit anderen Dingen stärker beschäftigen kann. Egal wie die Wahl ausgeht, bin ich sehr gelassen, einfach weil ich auch mit meiner jetzigen Situation sehr glücklich bin und mir sicher bin, dass die Landeskirche wieder einen sehr guten Bischof oder eine sehr gute Bischöfin bekommt.

Welche Schlagzeilen über Ihre Kirche würden sie gerne in 15 Jahren in den Zeitungen lesen?

Bedford-Strohm: Gut gefallen würde mir "Menschen erkennen neu die Kraft des christlichen Glaubens", "Kirchen sind für die Gesellschaft unverzichtbar", "Kirchen als Anwälte von Freiheit und sozialer Gerechtigkeit", "ethische Orientierung durch die Kirche" und "Kirche als Kraft zur Überwindung der Gewalt".

Ein Bischof hat ja qua Amt Gestaltungsmöglichkeiten. Wie könnte das Bischofsamt dazu beitragen, das Evangelium in eine immer säkularere Gesellschaft zu vermitteln?

Bedford-Strohm: In unserer Kirche ist ein Bischof kein Bundeskanzler. Deshalb habe ich auch kein Regierungsprogramm, mit dem ich in die Wahl hinein gehe. Die wesentlichste Aufgabe in diesem Amt ist es, zu inspirieren, zu orientieren, zu ermutigen, etwas von der Kraft des christlichen Glaubens auszustrahlen und die Kirche in der Öffentlichkeit zu vertreten. Das verfehlt auch in der säkularen Gesellschaft seine Wirkung nicht. Ein Bischof sollte der Kirche, aber eben auch der Gesellschaft, ins Gewissen reden. Die Wirkung des Evangeliums in der säkularen Gesellschaft hängt in hohem Maße von der Ausstrahlungskraft der Kirche selbst ab. Die Kirche darf sich nicht nur noch mit sich selbst beschäftigen, sondern muss immer wieder neu den Blick hinein in die Welt und die Weltkirche weiten. Was das für die Kirche bedeutet, muss in ganz enger Abstimmung mit der Synode entwickelt werden. Ein evangelischer Bischof ist verwurzelt im synodalen Auftrag und im Auftrag der Gemeinde. Was nun allerdings nicht bedeutet, dass er der Gemeinde nach dem Mund redet.

Wie passt dieses Amtsverständnis in die Ökumene?

Bedford-Strohm: Da gibt es ganz klare Unterschiede etwa zu katholischen Vorstellungen des Bischofsamtes. Denn in der evangelischen Kirche wird dieses Amt nicht zufällig von der Gemeinde übertragen. Der Bischof oder die Bischöfin steht der Gemeinde gegenüber, aber es gibt keine höhere Form der Weihe oder Unterschiede in der Wertigkeit, in der Nähe zu Christus. Die Kirche, die ihren Grund allein in Christus hat, das sind im Kern gleichberechtigt alle Christinnen und Christen.

Sollte neben dem klassischen ökumenischen Gespräch auch der Islam einbezogen werden in ein Gespräch der Religionen und wie könnte das aussehen?

Bedford-Strohm: Zu allererst sollte von uns Christen ein Muslim als Mensch wahrgenommen, geachtet und mit den religiösen Traditionen, die ihm in seinem Herzen und seiner Seele wichtig sind, respektiert werden. Dieser christliche Grundsatz, dass jeder Mensch eine Bereicherung ist, verbietet dann ganz von selbst eine Haltung des Misstrauens, in der Muslime zunächst als potenzielle Fundamentalisten oder gar als Verfassungsfeinde gesehen werden.

Nur in einer Atmosphäre des Vertrauens kann der interreligiöse Dialog gelingen. Dazu gehört dann auch, immer wieder zumindest stückweise mit den anderen Religionen zu leben. Für mich ist es beeindruckend und berührend, wenn ich in einem Gottesdienst in einer Moschee in das Gebet der Muslime hinein genommen werde.  In einem echten Dialog dürfen aber auch die Unterschiede und Differenzen nicht ausgespart werden, etwa die Frage, ob wir wirklich alle zu einem Gott beten. Schließlich können wir durch das Gespräch mit den anderen Religionen uns wieder der eigenen Traditionen und Glaubensüberzeugungen vergewissern. Bei Muslimen habe ich immer wieder großes Unverständnis erlebt, dass Christen beispielsweise ihre eigene Trinitätslehre nicht erklären können.

Warum ist es für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft wichtig, dass es ein evangelisches Profil gibt?

Bedford-Strohm: Da würde ich als evangelisches Spezifikum zuerst die Orientierung des christlichen Glaubens an der Bibel nennen. Im Zentrum steht die Liebe - nach dem berühmten Satz bei Johannes, dass Gott selbst die Liebe ist. Wie diese Kraft der Liebe im persönlichen, aber auch im gesellschaftlichen Leben Gestalt gewinnen kann, zeigt am schönsten die berühmte Freiheitsschrift Luthers. Dieser doppelte Freiheitsbegriff, dass der Mensch zugleich gänzlich frei und doch jedermanns Knecht ist, birgt eine riesige Kraft für die Gesellschaft.  Denn der einzelne Mensch kann sich an seinem persönlichen Gewissen orientieren, den eigenen Glaubensüberzeugungen folgen und sie unerschrocken in der Welt bezeugen.

Wie kann dieser Freiheitsbegriff beispielsweise in der Politik wirken und umgesetzt werden?

Bedford-Strohm: Dieser Freiheitsbegriff ist die Grundlage für jede Form von Zivilcourage und einer lebendigen Zivilgesellschaft. Die Menschen leben dann nicht nur ihr privates Glück, was ich in keiner Weise abwerten will, sondern treten ein für andere Menschen - auch gegen Autoritäten, auch in Situationen, die Angst machen können. Zum lutherischen Konzept der Freiheit gehören unabdingbar auch Schuld und Vergebung, was enorme Auswirkungen auf die Politik haben könnte.  Ein Politiker könnte seine Fehler und Irrtümer selbstkritisch beim Namen nennen und könnte gleichzeitig darauf vertrauen, dass das nicht sein politisches Ende wäre, dass er nicht vernichtet wird. Dazu gehört allerdings, dass die Wahrheit wirklich auf den Tisch kommt. Bei dieser Möglichkeit, Schuld einzugestehen und gleichzeitig Vergebung zu erlangen, würde unsere politische Kultur ganz anders aussehen. Das gilt natürlich auch für den persönlichen Bereich, für Ehe und Familie.

Als dritte große Komponente der lutherischen Rechtfertigung darf die Dankbarkeit auf keinen Fall vergessen werden. Ein Mensch, der weiß, dass er nur aus Gnade lebt, dass alles ein Geschenk ist, wird selber wieder mit anderen teilen und seine Gaben in den Dienst der Gesellschaft stellen. Auch hier ein konkretes Beispiel: Ein auf diese Weise dankbarer Mensch wird die Steuer nicht als Terror-Attacke des Staates empfinden, sondern als notwendigen Beitrag für das Gemeinwesen. 

Zivilcourage und Engagement brauchen Kraftquellen, für viele Christen ist das die Bibel. Welche Bibelstellen sind Ihnen persönlich wichtig?

Bedford-Strohm: Ich liebe sehr das Wort aus dem Korintherbrief "Der Herr ist der Geist, und wo der Geist des Herren ist, da ist Freiheit". In diesem Wort steckt schon die ganze lutherische Theologie. Wichtig ist mir auch eine Bibelstelle bei dem Propheten Amos: "Das Recht ströme wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Strom." Denn für mich ist der Glaube untrennbar verbunden mit der Gerechtigkeit, mit der Bewährung im Leben und mit der Option für die Armen. Zur Kernkompetenz von Kirche gehört wie die Spiritualität auch die Gerechtigkeit, beide dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. 

Wie finden Sie bei aller beruflichen Beanspruchung und Ihrem vollem Terminkalender Entspannung und Ausgleich?

Bedford-Strohm: Für mein spirituelles Leben spielt der Gottesdienst eine besondere Rolle. Ich mag sehr schöne Gottesdienste in Gemeinschaft mit anderen Menschen. "Zu schauen die schönen Gottesdienste des Herren", wie in Psalm 27 beschrieben, habe ich oft erlebt. Das ist für mich fast schon ein Leitmotiv. Ausgleich finde ich auch im Meditieren biblischer Texte. Die Bibel und die Losungen habe ich auf meinem iPhone bei mir und ich lese immer wieder darin. Wichtig ist mir auch die Musik, die wunderbare Orgelmusik im Gottesdienst oder - wenn möglich - das eigene Musizieren mit meiner Geige. Entspannung finde ich in der Natur. Bereits seit früher Kindheit habe ich bei vielen Sommerferien die unberührte Natur, die Wälder und Seen in Schweden kennengelernt. Neben den spirituellen Quellen ist mir meine Familie die wichtigste Regenerationsquelle, wenn wir - meine Frau und die drei Söhne- über Gott und die Welt diskutieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Roland Gertz / Achim Schmid (epd)