Manchmal kommt alles ganz anders als man denkt und plant. Lange vorbereitet war der Besuch von Kedabing Lucas, dem stellvertretenden Bischof aus Papua-Neuguinea, der aus unserem Partnerdekanat Wantoat stammt. Doch der Krieg im Iran hat den Flug unmöglich gemacht und eine Umbuchung wäre in dieser kurzen Zeit nicht möglich gewesen.
Der Partnerschaftskreis unter der Leitung von Elfriede Deinzer hatte bereits ein abwechslungsreiches Programm für Kedabing und seine Frau Mitio vorbereitet, deshalb war die Enttäuschung auf beiden Seiten groß. Der große Dekanatsgottesdienst am 15.3 mit Kedabing Lucas war überall angekündigt – was war nun zu tun und zu organisieren? Der Gottesdienst sollte auf alle Fälle stattfinden.
Mit Hilfe eines Mitarbeiters von "Mission Eine Welt" aus Neuendettelsau, der in Papua-Neuguinea arbeitet, gelang es, mit Kedabing eine Videobotschaft mit deutschen Untertiteln aufzunehmen. Darin erzählte er von seinem letzten Besuch in Wantoat, wo es leider seit einiger Zeit zu Kämpfen mit Toten und Verletzten kommt. Mitglieder von „Kultgruppen“, welche dem vorchristlichen Geisterglauben anhängen, terrorisieren die Menschen. Der Staat, die Verwaltung und auch die Polizei schauen weg und bieten keine Hilfe. Die Verunsicherung der Menschen ist groß und der Zuspruch durch den stellvertretenden Bischof ist gefragt. Er hat bereits mit allen Beteiligten Gespräche zur Versöhnung angeleitet, welche im Mai fortgeführt werden sollen.
(Das Bild zeigt Schüler und Schülerinnen in Papua bei der Schulabschlussfeier (Graduation))
Kebading Lucas bedankte sich bei den Gottesdienstbesuchern in der voll besetzten Stadtkirche für die finanzielle Unterstützung durch das Partnerdekanat in der Vergangenheit, die zu einem großen Teil der Ausbildung begabter Wantoats zu Gute kommt. Es wurde deutlich, welch große Bedeutung die lebendige Partnerschaft für die Menschen in Wantoat hat.
Musikalisch umrahmte der Gospelchor „Sound of Joy“ unter Leitung von Silke Kupper den Gottesdienst. Dekan Tobias Schäfer spannte in seiner Predigt den Bogen vom Begriff „Mission“, der für viele einen imperialistischen Beigeschmack hat, zu der Aussage, dass Mission heute durchaus keine Einbahnstraße mehr ist und nach wie vor die Aufgabe hat, die frohe Botschaft weiterzutragen. Beim Kirchenkaffee im Anschluss wurde noch eifrig weiter diskutiert.
Die Reise von Kebading Lucas soll nachgeholt werden, sobald sich die politische Situation entspannt. Das ist auch deshalb so bedeutsam, weil Kedabing in den 90er Jahren ein Aufbaustudium in Bayern absolviert hatte und deshalb die deutsche Mentalität kennt. So ist er für uns ein wertvoller, unverzichtbarer Vermittler zwischen zwei ganz unterschiedlichen Kulturen und Mentalitäten. Kebading wollte z.B. auch unbedingt seine Frau Mitio mitbingen, was zeigt, dass Gleichberechtigung für ihn ein großer Wert ist, in einem Land, in dem Frauen leider noch eine untergeordnete Rolle spielen.
Ute Pürkel
